Foto: Andreas Ren, Bochum

Stadt
Duisburg
Ort
Königstraße
Künstler
Niki de Saint Phalle
Jahr
1991-93
Maße
Höhe 720 cm
Material
Polyester, Teflon, Stahl

Niki de Saint Phalle

Lifesaver

Zu groß, zu bunt, zu hässlich. So urteilten viele Passanten nach der Aufstellung der Brunnenskulptur Lifesaver der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Nicht wirklich ein Kunstskandal, aber doch eine breite Ablehnung der mächtigen und die Straßenkreuzung im Fußgängerbereich dominierenden Skulptur in einem kreisrunden großen Wasserbecken.

Seit 1993 steht sie dort und ist inzwischen zu einem beliebten Ort für Verabredungen geworden und auch einer der touristisch bedeutenden Werbeträger der Stadt. Welch ein Wandel! Aber in der Tat tut die Skulptur beziehungsweise der Brunnen dem Ort gut, der von eher banaler Architektur der 1980er-Jahre bestimmt wird. Eine doppelreihige Lindenallee trifft hier auf eine Freifläche, die zu zwei Seiten von den Aufgängen der U Bahn bestimmt wird. Der einst unattraktive und auch schlecht dimensionierte Ort mitten in der Stadt wird nun durch die Großskulptur neu interpretiert mit dem flachen Rund des Bassins und der darin aufragenden Nana. Jean Tingvely, Ehemann von Niki de Saint Phalle, hat den rotierenden Sockel neu entworfen. Im besten Sinne ist dieser Brunnen eine Skulptur im öffentlich(st)en Raum und weist den Besucher in mehrere Richtungen: die Düsseldorfer Straße entlang zum LehmbruckMuseum und zum Skulpturenpark im Kantpark oder in Richtung Rathaus und zum Beginn des Innenhafens, der selbst auch ein Kunstort ist (erbaut nach dem Masterplan von Norman Foster, mit dem Garten der Erinnerung von Dani Karavan und dem MKM Museum Küppersmühle) oder nach Nordwesten entlang der Brunnenmeile bis zum Theater der Stadt und zum Philharmonischen Saal. So auf die Kunst- und Kulturorte der Stadt verweisend, schwenkt der Lifesaver um 180 Grad um seine Achse und sprüht Wasser über zahlreiche Düsen im Schulterbereich in die Höhe und letztlich ins Bassin. Das anheimelnde Plätschern der auf die Wasseroberfläche auftreffenden Tropfen schmeichelt dem Ohr und weckt Erinnerungen an andere Orte mit ähnlicher Geräuschkulisse. Die Gedanken schweifen ab, das Bewusstsein verlässt temporär den Ort, und schon wird der einst kritisierte Brunnen zum angenehmen, weil inspirierenden »Quell«. Die Figur selbst gehört zu den von Niki de Saint Phalle seit 1964 geschaffenen Nanas: üppigen Frauenfiguren aus Draht und Textil, die später aus Polyester gefertigt wurden. Nana ist ein vieldeutiger französischer Begriff für eine selbstbewusste, zuweilen verruchte Frau. Die Duisburger Nana ist wie ein großer Vogel mit mächtigen Schwingen und massiven Krallen ausgeformt. Sicher steht der farbenprächtige Vogel mit ausgebreiteten Flügeln auf dem drehbaren Sockel und bietet einer weiblichen Figur Schutz, die sich an seine Vorderseite klammert. Diese in der typischen Nana-Manier der Künstlerin gestaltete weibliche Figur ist ein anonymes Wesen mit abgewandtem Gesicht, das in dieser Form an den antiken Ganymed erinnert, der durch Zeus in Gestalt eines Adlers auf den Olymp entführt wurde. »Wenn Du das Fließen des Wassers hörst und siehst, läßt es Deine Gedanken und Obsessionen verfliegen – es läßt Dich die Uhrzeit vergessen und versetzt Dich in eine universelle Zeit. Der Brunnen schafft diese Dimension der Freude. Er erfrischt den Geist«, so Niki de Saint Phalle im 1999 erschienenen Buch Stadtbild Duisburg.