Foto: Andreas Ren, Bochum

Stadt
Essen
Ort
Bis Februar 2016: Philharmonie Essen, Stadtgarten
Künstler
Thomas Schütte
Jahr
1998–2004
Maße
3 Figuren, Höhe max. ca. 300 cm
Material
Bronze

Thomas Schütte

Ganz große Geister

Zu dritt stehen sie im Außenbereich der Essener Philharmonie und überblicken das rege Treiben der spazierenden, joggenden und Ball spielenden großen und kleinen Menschen im Stadtgarten. Sie selbst wirken unbeholfen, fremd, fast komisch, wie sie sich unsicher winden, dabei stark gestikulieren und ihre riesigen, amorphen Körper mühevoll balancieren. Von ihnen geht eine spezielle »Aura« aus:

Obwohl sie überlebensgroß sind, unberechenbar erscheinen und offenbar nicht von diesem Planeten stammen, sind sie nicht Furcht einflößend. Eher sehen sie aus, als seien sie in eine ferne Welt entlassen, in der sie sich nicht mitteilen können und unserer Hilfe bedürfen. So rat- und hilflos, wie momenthaft eingefroren, geben Thomas Schüttes Ganz große Geister in Essen ein skurriles, ja berührendes Bild ab. Die drei überdimensionalen Bronze-Kreaturen sind Dauerleihgaben des Essener Kunstsammlers Thomas Olbricht. Sie stammen aus einer Werkreihe, die der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte seit den späteren 1990er-Jahren entwickelt und in verschiedenen Materialien realisiert hat. Zunächst entstanden kleine, etwa 45 Zentimeter hohe Modelle, die der Künstler aus Wachsschnüren drehte und knotete, bis sie die gewünschte Form besaßen. Dann tauchte Schütte diese »Rohlinge« in flüssiges Wachs und ließ sie – nach dem Aushärten – zunächst als Kleine Geister in Kunststoff und Aluminium realisieren. In einem weiteren Schritt entstanden anschließend verschiedene – von den Kleinen Geistern ausgehende – überlebensgroße Exemplare in Aluminium, Bronze und Stahl. Die charakteristische, durch Entstehungsprozess und Ausgangsmaterial begründete Form übertrug sich somit auf die Großplastiken und verleiht ihnen ihre spezifische »Ausstrahlung«. Diese Geister des documenta- und Biennale-Teilnehmers Schütte entwickeln ihre besondere Wirkung nicht nur im musealen, sondern vor allem im urbanen Raum. Auch wenn sie uns kaum ähneln, so weisen die Geister durchaus menschliche Züge auf. In jedem Fall animieren sie zur Interaktion: Der Betrachter nähert sich, fasst sie an, stellt sich dazu, ahmt ihre Posen nach. Die Geister-Reihe gehört zweifellos zu den bekanntesten Werken des gebürtigen Oldenburgers und ehemaligen Studenten von Gerhard Richter; in Schüttes extrem heterogenem Werk nehmen sie eine Sonderstellung ein.

Die Leihgabe des Essener Kunstsammlers Thomas Olbricht wurde im Februar 2016 abgebaut. Nach Angaben der Stadt Essen und des Sammlers war das Kunstwerk langfristig nicht im öffentlichen Raum zu schützen und zu versichern.

Die offizielle Pressemitteilung finden Sie hier.