Foto: Andreas Ren, Bochum

Stadt
Essen
Ort
Stadtgarten
Künstler
Stephan Huber
Jahr
1987
Maße
250 x 94 x 170 cm
Material
Türkischer Marmor

Stephan Huber

Cello

Stephan Huber nennt seine Skulptur im Stadtgarten in Essen Cello. Das Instrument ist mit dem zweiteiligen Sockel, der den Klangkörper in zwei Größen wiedergibt, und dem Hals für die Saiten auf den ersten Blick unmissverständlich zu erkennen. Huber hat den Korpus wie eine Treppe mit einer flach auf dem Boden liegenden großen Version des Resonanzkörpers und einer kleineren darüber gebildet. Senkrecht dazu ragt der Instrumentenhals in die Höhe.

Dabei versucht der Künstler nicht, das Instrument abzubilden, sondern reduziert es auf wenige typische Formen.So ist die Schnecke am Ende des Halses nicht als solche ausgebildet, sondern auf eine Kreisform reduziert, die sich aus dem stark geschwungenen vorderen Teil ergibt und durch von links und rechts mittig aufgesetzte Kreise ergänzt wird. Der Schaft mag durchaus an einen Schwanenhals erinnern, der in typischer Weise nach hinten gebogen ist. Dadurch erhält die Arbeit einen dynamischen Charakter. So lässt der Blick auf die Skulptur weitergehende Assoziationen zu. In der hier präsentierten Form auf einem Sockel wirkt das Cello wie ein Denkmal, das zwar nicht einer bestimmten Persönlichkeit gewidmet ist, aber doch auf die Musik verweist. Durch die Zergliederung des Instruments hat der Künstler dessen Einsatz unmöglich gemacht. Eine solche Absurdität oder Verfremdung entspricht dem künstlerischen Schaffen Stephan Hubers, der gewohnte Sichtweisen durch Veränderungen von Materialien, Sinnzusammenhängen oder auch Verortungen infrage stellt. So hängt er Kronleuchter vor die Fassade eines Hauses, verändert Größenverhältnisse durch die Schaffung von Bergmassiven im Kleinformat oder verschiebt Raumproportionen, indem er sie um 90 Grad dreht. Gerade in seinen Werken im öffentlichen Raum spielt Huber mit dem Verhältnis von Abbildung und Wirklichkeit. Der Ort der Kunst ist die Wirklichkeit. Der Ort und der soziale Kontext, in diesem Fall die unmittelbare Nähe zu Opernhaus und Philharmonie, bestimmen das Werk. Cello verweist auf die Musik, auch wenn sie hier im Stadtgarten nicht ertönt, sondern nur als Erinnerung abgerufen wird. Somit stellt die Skulptur eine besondere Art von Denkmal als »Zeugnis der kulturellen Entwicklung der Menschheit«1 dar, das im ureigentlichsten Sinne eine Aufforderung zur Beschäftigung mit der Musik ist.


1
»Denkmal«, in: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie, Bd. 2: Cin–Gree, Leipzig 2. unveränd. Aufl. 2004, S. 121.