Foto: Andreas Ren, Bochum

Stadt
Hagen
Ort
Friedrich-Ebert-Platz
Künstler
Ewald Mataré
Jahr
1964/65
Maße
4 x Ø 10 m
Material
Eisen, Beton

Ewald Mataré

Brunnen

Der Brunnen von Ewald Mataré in Hagen fasziniert ebenso durch die Geschlossenheit seiner Form wie durch die Vielgestaltigkeit des Wassers, das ringsherum in hohen Bögen und aus der Mitte heraus stufenartig über kleine Plateaus in das Bassin hinabfällt. Dieses letzte und große Werk von Mataré orientiert sich an einer besonderen Topografie der Stadt und symbolisiert mit seinen Wasserspeiern die vier Flüsse Volme, Ennepe, Lenne und Ruhr, die durch Hagen fließen. Über dem etwa zehn Meter großen Wasserbecken erhebt sich eine den Gesamteindruck dominierende Kaskade, die die Wassereinspeisung der Hasper Talsperre darstellt.

1967 wurde der Brunnen eingeweiht, die Realisierung selbst hat Ewald Mataré nicht mehr erlebt. Sein Schüler Herbert Belau nahm nach einem hinterlassenen Tonmodell Matarés Idee auf und baute ein Modell in natürlicher Größe, das Basis für die Herstellung des Brunnens war. Der Mataré-Brunnen in Hagen präsentiert sich in einer ornamentalen Gesamtform, die ebenso biomorph wie futuristisch erscheint.

Bei aller Abstraktion orientierte sich der Künstler an Mustern, wie sie die Natur vorgegeben hat: Der Schalenbrunnen erinnert an eine geöffnete Muschel, die ihr Innerstes offenbart, und für die gusseisernen Wasserspeier und die Kaskade dienen Meereswesen wie Fische und Korallen als Vorbild. Vor allem aber steht das Element Wasser selbst im Mittelpunkt und prägt mit seiner formgebenden Kraft das Erscheinungsbild des Brunnens. In der plastischen Rundlichkeit einzelner Brunnenelemente kommt eine zentrale Auffassung Matarés zum Tragen: Skulptur und Plastik verstand der Künstler vor allem als fühlbaren Körper. 1928 formulierte er seine Grundgedanken mit den Worten: »Plastik bedeutet Gestaltetes. Die Plastik lebt im wirklichen Raum, die Malerei im vorgestellten, das ist ihr elementarer Unterschied, und wie die Malerei durch das Auge, so sollte die Plastik durch die Hand als etwas Abtastbares wahrgenommen werden können […] Der Gestaltungsprozeß wird nicht durch Licht und Schatten bestimmt, und auch der Blinde sollte eine Plastik genießen können.«1 Das Verdichten und Zusammenführen von Form ist bestimmend im Werk von Ewald Mataré. Die Arbeiten zeigen immer wieder eine stilisierte Figürlichkeit, die sich in seinem freiplastischen Werk vor allem auf das Motiv des Tieres konzentriert, das bei ihm als Tierzeichen und Idol wesenhaft interpretiert wird. Die Hinwendung zum Themenkreis Natur bedeutete für Mataré eine Rückkehr zum Ursprung, zur Harmonie zwischen Kreatur und Schöpfung. Bei den Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum ist das Figurative häufig begleitet von einer abstrakten Ornamentik, wie sie sich auch in Hagen zeigt. Bewusst hat sich Ewald Mataré für einen runden Grundriss entschieden: Die ideale Form des Kreises bindet den steten Fluss des Wassers aus den unterschiedlichen Himmelsrichtungen zu einer Einheit. Symbolisch wird dadurch der Brunnen zu einem niemals versiegenden Quell des Lebens. Brunnen sind seit jeher bedeutende Bauwerke und erfüllen von Beginn an eine soziale Funktion. Angefangen vom einfachen Entnahmeort für das lebenswichtige Wasser bis hin zu aufwendig inszenierten Wasserspielen bilden sie immer zentrale Treffpunkte für die Menschen. Künstlerisch ausgestaltet werden sie, wie der Mataré-Brunnen in Hagen, zu einem unverwechselbaren Identifikationspunkt im urbanen Raum.


1
Ewald Mataré, zit. nach: Ewald Mataré im Museum Kurhaus Kleve, hrsg. vom Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve, Kleve 1997, S. 17.