Tour 3: (Land-)Marken-Zeichen der Kohle

 

Strecke: ca. 35 km

Stationen:
LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen –
Gasometer – Tetraeder – Josef Albers Museum Quadrat Bottrop – Halde Haniel – Zeche Sterkrade - LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

 

Route

gpx-Daten der Tour zum Herunterladen

Beschreibung der Route (pdf-Datei, 1 MB)

Herzlich Willkommen auf der Radtour, die zwei RuhrKunstMuseen, die LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen und das Josef Albers Museum im Bottroper Quadrat, miteinander verbindet. An beiden Ausstellungsorten erwarten Sie spannende Ausstellungen rund um das Thema Kunst und Kohle.

Die einzelnen Stationen greifen immer wieder Gedanken auf, die in den Ausstellungen eine Rolle spielen auf. Motive, die Sie in den Comics, aber auch in den Aufnahmen von Bernd und Hilla Becher finden werden, können Sie sich auf ihre Route live und in Farbe noch einmal anschauen.

Für jeden, der kein eigenes Fahrrad dabei hat, können Fahrräder an der metropolradruhr-Station am Schloss Oberhausen gemietet worden.

 

 

Startpunkt: LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Dachma, Die kleine Ode an den Kohlenpott, 2014 © Dachma

 Dachma, Die kleine Ode an den Kohlenpott, 2014 © Dachma

Die Tour beginnt am Schloss Oberhausen. Hier in der LUDWIGGALERIE wird aktuell die Ausstellung "Glück Auf! Comics und Cartoons von Kumpel Anton über Jamiri bis Walter Moers" gezeigt.

Auch wenn das Thema Kohle kein zentrales im Bereich von Comic und Cartoon ist, gibt es doch eine Reihe von interessanten Positionen. Die Ducks im Ruhrgebiet halten sich unter Tage auf, Dorgathens Stahlgolem und Ulf K.s Hieronymus B. berichten vom Strukturwandel. Dachma erinnert an den Kohlenstaub in der Luft und Ulrike Martens lässt den Kohlibri aufsteigen. Kreitz und Mrozek führen uns didaktisch in den Bergbau des Mittelalters und Wieser erzählt eine Künstlergeschichte. Dass die Kohle auch jenseits des Ruhrgebiets eine Rolle spielen kann, zeigen Walter Moers und Florian Biege, die in das ferne Reich Zamoniens entführen. Als "special guests" bekommen Kumpel Anton von Otto Berenbrock und Opa Hausen von Dirk Trachternach einen Auftritt.

Nach dem Ausstellungsbesuch kann die Tour starten. Der erste Abstecher führt hinüber zum Gasometer.

Zwischenstopp: Gasometer

Der Gasometer ist mit seinen 117 Metern Höhe eine auffällige Geländemarke. Genau so wie Fördergerüste und Hochöfen prägen auch diese Riesenspeicher das Landschaftsbild des Ruhrgebiets. Gespeichert wird ihnen das sogenannte Gichtgas, ein Gas, das als Abfallprodukt in den nahe liegenden Hochöfen entsteht. Dieser Gasometer hier speicherte aber nicht nur Gichtgas, sondern später auch Kokereigas, das in der Kokerei der Zeche Osterfeld gewonnen wurde. Heute wird hier schon lange kein Gas mehr zwischengespeichert. Seit einem Umbau in den 1990er-Jahren ist es Europas höchste Ausstellungshalle. Zu Fuß oder mit dem Aufzug können Sie auf das Dach gelangen und haben einen guten Rundblick über die Neue Mitte, die Stadt Oberhausen und das westliche Ruhrgebiet.

Sie sehen von hier aus sogar schon das nächste Ziel: den Tetraeder auf der Halde Beckstraße.

Die Wegstrecke führt entlang des Rhein-Herne-Kanals bevor der Weg über die Eisenbahnbrücke entlang der Bahntrassen führt. Vielleicht können Sie am Ufer des Kanals einen tanzenden Strommast entdecken? Der „Zauberlehrling“ von der Berliner Künstlergruppe inges idee wurde 2013 im Rahmen der Emscherkunst aufgestellt.

Gasometer Oberhausen, Foto: Thomas Machoczek

 Gasometer Oberhausen, Foto: Thomas Machoczek

Zwischenstopp: Halde Beckstraße, Tetraeder

Tetraeder Bottrop © Ruhr Tourismus, Jochen Schlutius

 Tetraeder Bottrop © Ruhr Tourismus, Jochen Schlutius

Angekommen auf der Halde Beckstraße befinden Sie sich nun auf der 110 Meter ü. NN.

Von der dortigen Landmarke, dem Tetraeder, haben Sie einen großartigen Blick auf die Umgebung. Große Panorama-Tafeln am Rande der Halde helfen Ihnen bei der Orientierung. Unter anderem sehen Sie auch die Kokerei Prosper und einige der Schachtanlagen von Prosper Haniel.

Die Halde selbst entstand zwischen 1963 bis 1980 aus dem Tauben Gestein der Zeche. Mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel 2018 ist nun im Ruhrgebiet endgültig „Schicht im Schacht“, wie der Bergmann sagt. Die Schließung dieses letzten aktiven Steinkohlebergwerks in Deutschland war auch der Anlass für das Ausstellungsprojekt Kunst & Kohle an 17 RuhrKunstMuseen in 13 Städten der Ruhr Metropole. Eines der beteiligten Museen ist das Josef Albers Museum, Quadrat Bottrop, der nächste Halt auf unsere Tour. Die von hier oben so präsenten Fördergerüste werden ihnen dort in den Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Bernd und Hilla Becher wieder begegnen.

Der Weg führt Sie nun entlang des Prosperparks zum Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

Ausstellungsort: Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Bernd und Hilla Becher setzen mit ihren fotografischen Arbeiten ein Zeichen gegen das Vergessen und bewahren so ein Bild, das 250 Jahre das bestimmende des Ruhrgebiets war: Zechen, Fördertürme, Hochöfen, Gasometer. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die derzeit im Josef Albers Museum gezeigt werden, sind hart und sachlich. Durch ihre systematischen Fotoprojekte zwischen Dokumentation und Kunst haben sie ein neues Genre geschaffen, das auf folgende Künstlergenerationen gewirkt hat. Die nüchterne Ästhetik der Becher-Schule erlangte Weltgeltung. Dem künstlerischen Ansatz des Fotografen-Duos ist zu verdanken, dass das Überleben und die Wertschätzung der von ihnen abgelichteten Architekturen auch in Zukunft gesichert bleiben. Die Ausstellung – noch gemeinsam mit Hilla Becher konzipiert – folgt den Ideen der Bechers einer globalen Kunstsprache, indem, neben Fotografien aus dem Ruhrgebiet, Arbeiten aus Nordamerika oder den Kohleabbaugebieten in Wales präsentiert werden.

Durch das Grün des Köllnischen Waldes geht der Weg mit meisten Höhenmetern zur Halde Haniel. Wenn Sie mögen, fahren Sie einmal hinauf.

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Foto: Werner J. Hannappel © VG Bild-Kunst, 2018

 Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Foto: Werner J. Hannappel © VG Bild-Kunst, 2018

Zwischenstopp: Halde Haniel

Stelen auf der Halde Haniel, Wikimedia Commons, Foto: Thorpet

 Stelen auf der Halde Haniel, Wikimedia Commons, Foto: Thorpet

Auch von hier oben haben Sie wieder einen tollen Ausblick auf die vom Steinkohlebergbau immer noch stark geprägte Landschaft. Doch wird diesmal auch der Wandel überdeutlich: 1995 wurde auf der Halde ein Kreuzweg eingeweiht. 1999 eröffnete ein offenes Amphitheater, das nach griechischem Vorbild auf der Haldenkuppel gebaut wurde und über 800 Besuchern Platz biete. Aus über 100 Bahnschwellen schuf 2002 der baskische Künstler Agustín Ibarrola mit seiner Installation „Totems“ ein weiteres Kulturhighlight für die Halde Haniel. Die Halden sind nicht länger nur Erhebungen in der Landschaft, sondern längst ein beliebtes Ausflugsziel mit attraktiven Freizeitangeboten.

Der Weg führt nun gemütlich wieder bergab in Richtung Oberhausen-Sterkrade. Einen letzten Zwischenstopp können Sie an der heutigen Zeche Sterkrade einladen.

Zwischenstopp: Zeche Sterkrade

Vergleicht man den heutigen Blick auf die Zeche Sterkrade mit dem historischen Foto, fällt sofort auf, wie viel abgerissen worden ist:

Kohlenwäsche, Kraftwerke und Nebenproduktionsanlagen gibt es nicht mehr, es finden sich nur noch einige Gebäudereste und das Fördergerüst mit Schachthalle von Schacht I aus dem Jahre 1903. Sowohl der massive Bau der Schachthalle als auch die spezielle Konstruktion des Fördergerüstes sind so nur noch selten anderswo erhalten. Den Erhalt dieser und vieler weiteren Industrieanlagen verdanken wir dem wachsenden Interesse an Industriekultur und der damit einsetzenden Denkmalpflege. Die hier noch erhalten Anlagen sind im Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Diese Stiftung wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründete. Zu den Aufgaben der Stiftung gehören neben der wissenschaftlichen Erforschung auch die Sicherung der Anlagen und Aktivitäten, die diese der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Nach so vielen Halden, Fördergerüsten und anderen Industrieanlagen geht es nun wieder zurück zur LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen

Die Zeche Sterkrade, ca. 1910-1913, Wikimedia Commons, Foto: Aspdin

 Die Zeche Sterkrade, ca. 1910-1913, Wikimedia Commons, Foto: Aspdin