Tour 2: Ursprung der Kohle

 

Strecke: ca. 45 km

Stationen:
Kunstmuseum Bochum
– Deutsches Bergbau-Museum Bochum – St. Peter und Paul, Bochum – Knappschaft Bochum – Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Museum unter Tage – Muttental – Märkisches Museum Witten – Kunstmuseum Bochum

 

Route

gpx-Daten der Tour zum Herunterladen

Beschreibung der Route (pdf-Datei, 1 MB)

Herzlich Willkommen auf der Radtour, die das Kunstmuseum Bochum, die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Museum unter Tage und das Märkische Museum Witten miteinander verbindet. An allen drei Ausstellungsorten erwarten Sie spannende Ausstellungen rund um das Thema Kunst und Kohle.

Die einzelnen Stationen greifen immer wieder Gedanken auf, die in den Ausstellungen eine Rolle spielen. Erfahren Sie Legenden und Geschichten aus dem Bergbau und aus der Region.

 

 

Startpunkt: Kunstmuseum Bochum

Ausstellungsansicht Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung, Kunstmuseum Bochum, Foto: Achim Kukulies © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Ausstellungsansicht Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung, Kunstmuseum Bochum, Foto: Achim Kukulies © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Startpunkt der Tour ist das Kunstmuseum Bochum. Es zeigt die Ausstellung „Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung“.

Die Welt unter der Erde provoziert Ängste vor dem Unheimlichen, dem Unbekannten des Erdinneren, aber auch fantastische Visionen, wissenschaftlichen Forscherdrang und utopische Ideen. Ausgehend vom Ruhrgebiet erforscht Andreas Golinski (*1979) in Archiven Geschichte und Geschichten aus dem Bergbau und sammelt Bildvorstellungen der unsichtbaren Welt unter der Erde aus der Kunstgeschichte und der Gegenwartskunst. Historische Kunstwerke wie die Serie der „Carceri“ (der Kerker) von Giovanni Battista Piranesi stellt er zusammen mit Arbeiten von Künstlern wie Walter Pichler, Alexander Brodsky, Kasimir Malewitsch, Francesco Lo Savio oder Pierre Soulages in einen assoziativen Dialog mit eigenen künstlerischen Setzungen: Multimediale Rauminstallationen, Bilder und Skulpturen formen den Museumsraum zu einem Erlebnisort mentaler Archäologie.

Wenn Sie bereits ihr Fahrrad dabei haben, fahren Sie doch die Straße „Am Bergbaumuseum“ für einen kleinen Abstecher zum Förderturm des Bergbau-Museums.

Wenn Sie kein eigenes Fahrrad dabei haben, finden Sie vor dem Deutschen Bergbau-Museum auch eine metropolradruhr-Station.

Zwischenstopp: Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Hier am Deutschen Bergbau-Museum versammeln sich jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem 4. Dezember zahlreiche Bergleute zum Knappentag. Das Datum ist kein Zufall, denn dieser Tag ist der Heiligen Barbara gewidmet. Die Heilige ist die Schutzpatronin der Bergleute, sie steht den Bergleuten bei ihrer gefährlichen Arbeit unter Tage bei.

Am Knappentag gibt es viel zu sehen. Etwas 500 Bergleute von rund 40 Knappenvereinen kommen alljährlich zusammen; alle tragen sie traditionelle Trachten. Zu sehen gibt es Fahnenträger, Spielmannszüge und zahlreiches Geleucht. So nennt man die Lampen der Bergmänner, die in den dunklen Dezembernachmittagen in den Straßen Bochums leuchten. Gemeinsam zieht der Zug vom Deutschen Bergbau-Museum zur Propsteikirche. Schon auf dem Weg, aber auch in der anschließenden Messe selbst ertönt dann das Steiger-Lied. Wir machen uns jetzt auch auf zur Propsteikirche.

Die Treppen zum Kirchplatz liegen etwas versteckt. Am besten schieben Sie das Rad über die Grabenstraße zur Kirche.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Foto: Presseamt der Stadt Bochum

 Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Foto: Presseamt der Stadt Bochum

Zwischenstopp: St. Peter und Paul, Bochum

Skulptur der Heiligen Barbara in der Bochumer Propsteikirche am Knappentag (2018)
Bildrechte: Christina Clever-Kümper

 Skulptur der Heiligen Barbara in der Bochumer Propsteikirche am Knappentag (2018) Bildrechte: Christina Clever-Kümper

Am Knappentag zeigt sich, wie lebendig bergmännische Traditionen noch heute im Ruhrgebiet sind. Die Heilige Barbara ist da ein gutes Beispiel. An vielen Orten im Ruhrgebiet, aber auch in anderen Bergbaurevieren in ganz Europa, trifft man die Heilige an. An dem Turm, den sie im Arm hält, ist sie leicht zu erkennen. Manchmal trägt sie aber auch einen Kelch mit einer Hostie oder einen Palmzweig. Der Legende zufolge soll ihr Vater, ein heidnischer König, Barbara in einen Turm eingesperrt haben, um sie von der Welt abzuschotten. Während einer seiner Reisen aber, so erzählt die Legende weiter, konvertierte die Tochter zum Christentum. Eine riskante Entscheidung, denn ihr Vater gehörte damals, im Frühchristentum, zu den größten Verfolgern der noch jungen Religion. Auf Flucht, Felsenversteck und Verrat folgte die Gefangennahme und ein grausames Martyrium der jungen Frau, die sich vom Christentum nicht abkehren wollte. Schließlich wurde sie vom eigenen Vater enthauptet. Doch blieb seine Tat nicht ungestraft. Noch an Ort und Stelle soll den grausamen Vater der Blitz getroffen haben.

Das Bild des schützenden Berges passt sehr gut zur Schutzpatronin der Bergleute. Es zeigt ihre immer noch spürbare Verehrung und die tiefe Verwurzelung vieler Bergleute und ihrer Familien im Glauben. So ist die Verehrung der Heiligen Barbara über die Jahrhunderte lebendig geblieben.

Der Weg führt nun vorbei am Bermuda3eck, dem Kneipenviertel der Stadt Bochum, in Richtung Bochum-Ehrenfeld.

Ausstellungsort: Knappschaft Bochum

Hier stehen wir vor dem Hauptsitz der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Im Grunde kann der Versicherer auf eine über 750-jährige Tradition zurückblicken. Denn schon im Mittelalter organisierten sich die Bergleute in sogenannten Knappschaften, um ihre Rechte zu vertreten, vor allem aber, um sich und ihre Familien sozial abzusichern. Kein Wunder bei so einem gefährlichen Beruf.

Das alte Gebäude der Knappschaft wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und an dessen Stelle der heutige Bau errichtet. Auffällig sind die beiden großen Bronzeplastiken von Erich Schmidt aus dem Jahr 1950/51 vor dem Haupteingang. Zu sehen sind zwei Bergmänner, der eine jung und aufrecht, der andere schon etwas älter und leicht gebeugt. Keine der Figuren trägt ein Gezähe, das Werkzeug zum Abbau der Kohle. Trotzdem sind sie durch ihre Arbeitskleidung und das Geläucht gut als Bergleute zu erkennen. Das Geläucht, die Lampe des Bergmanns, ist untertage lebenswichtig. Denn eine bekannte Redensart im Revier weiß: „vor der Hacke ist es duster“. Denn unter Tage ist es nicht einfach nur dunkel, wie in einer finsteren Nacht – es herrscht die absolute Schwärze.

Mit solcher Schwärze beschäftigt sich auch das nächste Haus der RuhrKunstMuseen. Wir machen uns wieder auf den Weg zum Museum unter Tage im Schlosspark Bochum-Weitmar.

Hierhin führt der Weg über den Spingorum-Radweg, der zunehmend an Höhe gewinnt. Etwas versteckt im Weitmarer Holz liegt die Situation Kunst mit dem Museum unter Tage.

Die Knappschaft mit Häuserzeile an der Pieperstraße, Kartenansicht von 1929. 
Von der Pieperstraße/Ecke Hugo-Schultz-Straße gesehen.
Quelle: www.historisches-ehrenfeld.de / Dirk Ernesti

 Die Knappschaft mit Häuserzeile an der Pieperstraße, Kartenansicht von 1929. Von der Pieperstraße/Ecke Hugo-Schultz-Straße gesehen. Quelle: www.historisches-ehrenfeld.de / Dirk Ernesti

Ausstellungsort: Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Museum unter Tage

Miles Coolidge, Coal Seam, Bergwerk Prosper-Haniel 4, 2013 © Miles Coolidge

 Miles Coolidge, Coal Seam, Bergwerk Prosper-Haniel 4, 2013 © Miles Coolidge

Die Ausstellung "SCHWARZ" im Museum unter Tage (MuT) richtet den Blick auf eine Farbe, die – zum Ende des Steinkohlebergbaus – auf die Schwärze von Kohle anspielt und zugleich weiterführend die Sichtbarkeit von Verborgenem sowie Dunkelheit in der Kunst thematisiert. Künstler der Postminimal Art und der Konkreten Kunst seit den 1960er-Jahren wie Richard Serra, Erich Reusch, Bruce Nauman haben sich der Wirklichkeit von Materialien und Erfahrungen im Hier und Jetzt gestellt und dabei auch „schwarzes“ Material wie Kohle oder Ruß verwandt. Zeitgenössische Künstler wie Lars Breuer, Miles Coolidge, Philipp Goldbach, Elisabeth Neudörfl, Jan Wawrzyniak und Susanne Weirich setzen sich malerisch, fotografisch, skulptural oder medienreflexiv mit der Bedeutung von Schwarz auseinander.

 

Nach dem Ausstellungsbesuch geht es für eine längere Strecke auf’s Rad. Der Weg führt durch das Weitmarer Holz und hinunter an den Kemnader See. Malerisch schlängelt sich der Fahrradweg am Wasser entlang bis zur Ruine Hardenstein. Mit der ruhrtalFähre Hardenstein(*) überqueren Sie gemütlich die Ruhr und folgen dem Radweg durch das Muttental bis zur Zeche Nachtigall.

(*) Fahrzeiten der ruhrtalFähre Hardenstein: Mai und September: täglich 9.00-19.00 Uhr, Juni, Juli und August: täglich 9.00-21.00 Uhr (mittwochs erst ab 12:00 Uhr). Weitere Informationen zur finden Sie hier.

 

 

Zwischenstopp: Zeche Nachtigall / Muttental

Hier befinden Sie sich nun an einem historisch bedeutsamen Ort – im Muttental. Der Legende nach soll hier ein junger Schweinehirt in einem Loch, das sein Schwein gegraben hatte, ein Feuer entzündet haben, um sich zu wärmen. Zu seiner großen Überraschung glomm das Feuer noch Stunden weiter, nachdem alles Holz längst verbrannt war. Sogar am nächsten Tag noch. Und anstelle von Holz fand er einen schwarzen Stein – die erste Steinkohle im Ruhrgebiet war entdeckt.

Dass die Kohle hier nah an der Erdoberfläche verläuft, kann man heute noch im Steinbruch Dünkelberg gut sehen. Und auch sonst hat das Muttental viel Bergmännisches zu bieten: Halden, Stollenmundlöcher, rekonstruierte historische Schachtanlagen, die Zeche Nachtigall und viele weitere Stationen, die eindrücklich die Geschichte des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet zeigen. Hier haben Sie auch die Möglichkeit, in einem Besucherbergwerk einen kleinen Eindruck von der Situation unter Tage zu bekommen. Ein Blick in den Stollen lohnt sich – vor allem, weil Sie bei unserer nächsten Station erneut ein Streckenausbau erwartet. Nur steht dieser zurzeit in den Räumen des Märkischen Museums Witten.

Der Weg nach Witten rein führt über den Ruhrdeich und entlang der Ruhrstraße hin zum Märkischen Museum.

Steinbruch Dünkelberg (Muttental) mit sichtbarem Kohleflöz, Witten

 Steinbruch Dünkelberg (Muttental) mit sichtbarem Kohleflöz, Witten

Ausstellungsort: Märkisches Museum Witten

Olaf Metzel, Plattenbau, 2016, Foto: Leonie Felle, Courtesy by Wentrup Gallery, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Olaf Metzel, Plattenbau, 2016, Foto: Leonie Felle, Courtesy by Wentrup Gallery, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

In der Ausstellung „Vom Auf- und Abstieg“ zeigt das Märkische Museum Witten drei künstlerische Positionen, die sich mit den Anfängen des Kohleabbaus in der Region Ruhrgebiet und den damit verbundenen Hoffnungen auseinandersetzen. In der Ausstellung wird eine zeitliche und geografische Brücke vom historischen und gegenwärtigen Ruhrgebiet ins globale Geschehen geschlagen. In vielen ehemaligen Kohleabbaugebieten erfolgte aufgrund des Wegfalls von Arbeit und Wohlstand ein Wandel, der teilweise in Armut und Orientierungslosigkeit mündete. Zu sehen sind Skulpturen und Installationen der Künstler Clemens Botho Goldbach (*1979) und Olaf Metzel (*1952), welche die Ursprünge des Kohleabbaus in Witten und die Klischees der Region thematisieren. Der ukrainische Fotograf Alexander Chekmenev (*1969) hat das Arbeitsleben und den Alltag der Menschen im Kohleabbaugebiet der Donbass-Region dokumentiert.

Nach drei Ausstellungen und jeder Menge Erlebnissen in Sachen Bergbau machen wir uns nun auf den Rückweg nach Bochum, zum Kunstmuseum Bochum bzw. zur metropolradruhr-Station am Deutschen Bergbau-Museum.

Der Weg führt bis nach Bochum-Langendreer entlang des Rheinischen Esels, einer stillgelegten Bahnstrecke durch das Ruhrgebiet. Glück auf und eine gute Heimreise.