Tour 1: Wege und Wandlung der Kohle

 

Strecke: ca. 30 km

Stationen:
Emschertal-Museum Herne, Schloss Strünkede –
Hafen Wanne West – Zeche Hannover – Kunstmuseum Bochum – Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Tippelsberg – Flottmann-Hallen Herne – Hauptbahnhof Herne – Emschertal-Museum Herne, Schloss Strünkede

Route

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Beschreibung der Route (pdf-Datei, 1 MB)

Herzlich Willkommen auf der Radtour, die die RuhrKunstMuseen mit dem Emschertal-Museum Herne im Schloss Strünkede, das Kunstmuseum Bochum und die Flottmannhallen in Herne miteinander verbindet. An allen drei Ausstellungsorten erwarten Sie spannende Ausstellungen rund um das Thema Kunst und Kohle.

Die einzelnen Stationen greifen immer wieder Gedanken auf, die in den Ausstellungen eine Rolle spielen auf. Themen wie der Transport von Kohle oder aber auch der Wandel der Region können so an authentischen Orten erfahren werden.

Die Tour kann jederzeit an einer der Zwischenstopps gestartet, unterbrochen oder mit einer Fahrt mit der U-Bahnlinie 35 abgekürzt werden.

 

 

Startpunkt: Emschertal-Museum Herne, Schloss Strünkede

Künstler Ibrahim Mahama vor dem noch unverhüllten Schloss Strünkede, Foto: Ferdinand Ullrich

 Künstler Ibrahim Mahama vor dem noch unverhüllten Schloss Strünkede, Foto: Ferdinand Ullrich

Die Tour startet am Schloss Strünkede in Herne. Der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama hat das barocke Schlossgebäude mit Jutesäcken verhüllt.

In seiner Heimat sind die groben Stoffsäcke das landestypische Verpackungsmaterial, mit dem nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kohle über weite Strecken transportiert wird. Sie werden zum Relikt, das die globale Zirkulation von Rohstoffen und wirtschaftliche Umwandlungsprozesse sichtbar macht.

Während die deutschen Zechen schließen, wird dennoch weiterhin Kohle benötigt und hierfür aus anderen Ländern wie etwa China importiert. Die Kohle ist zwar günstiger, jedoch sind die Arbeitsbedingungen der fördernden Kumpels mit deutschen Standards nicht vergleichbar und auch Auflagen für den Naturschutz werden kaum eingehalten. Erweitert wird die Ausstellung durch Skizzen sowie Foto und Videoaufnahmen, die den Entstehungsprozess des Herner Kunstwerkes nachzeichnen.

Es lohnt sich, das Wasserschloss einmal mit dem Rad zu umrunden, und das Gesamtkunstwerk von allen Seiten zu betrachten. Anschließend kann die Tour starten.

Zwischenstopp: Hafen Wanne West

Unsere erste Wegstrecke führt zum Rhein-Herne-Kanal. Hier an der Stelle der 45,6 Kilometer langen künstlichen Wasserstraße finden sich gleich zwei Häfen: der Wanner Westhafen am Nordufer und der Osthafen am Südufer.

Wo Sie heute modernste Logistikzentren sehen, müssen wir uns den ehemals größten Kohle-Umschlagshafen am Rhein-Herne-Kanal vorstellen. Hier wurde aber nicht nur Kohle, sondern auch Erz, Holz und viele andere Produkte aus- und eingeladen. Mit der Kleinbahn gelangte die Kohle von Bergwerken der Umgebung hier her, um dann mit den großen Kränen verladen und über das lange Kanalsystem weiter transportiert zu werden. Bereits 1916 erreichte der Umschlag in Tonnen erstmals die Millionengrenze.

Seit dem Niedergang der Steinkohle im Ruhrgebiet hat die Bedeutung als Transportweg zwar stark abgenommen. Doch noch immer wird der Rhein-Herne-Kanal als Transportweg für die Lastenschiffe genutzt. Auch Steinkohle wird heute immer noch transportiert, denn die hier angesiedelten Steinkohlekraftwerke benötigen stetig neue Steinkohle um Energie zu erzeugen.

Wenn Sie genauer hinschauen, ist hier am Kanal der Wandel im Ruhrgebiet gut sichtbar. Der Kanal wird vor allem von Ausflugsschiffen und Wassersportvereinen genutzt; an den Ufern hat sich Gastronomie angesiedelt; und aus vielen der ehemaligen Industriestandorte sind attraktive Ausflugziele geworden.

Blick auf den Westhafen der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH mit Wippkran beim Entladen eines Frachters (1949), Fotograf: Koschmieder, Duisburg-Meiderich, Quelle: Bundesanstalt für Wasserbau

 Blick auf den Westhafen der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH mit Wippkran beim Entladen eines Frachters (1949), Fotograf: Koschmieder, Duisburg-Meiderich, Quelle: Bundesanstalt für Wasserbau

Zwischenstopp: Zeche Hannover

Zeche Hannover in Bochum, Foto: Joachim Schumacher

 Zeche Hannover in Bochum, Foto: Joachim Schumacher

Sie verlassen nun den Rhein-Herne-Kanal und fahren entlang des Hüller Bachs bis Bochum-Hordel. Der Weg führt nach links in den Königsgruber Park bis zum ehemaligen Steinkohlebergwerk Zeche Hannover.

Es stammt aus dem Jahr 1857. Fast anderthalb Jahrhunderte, bis zum Jahr 1973, wurde hier Steinkohle gefördert. Dann wurde auch diese letzte Bochumer Schachtanlage stillgelegt.

Die vor dem Abriss 1979 bewahrten Gebäude sind heute ein Standort des Westfälischen Industriemuseums, das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe betrieben und für die Öffentlichkeit zugänglich gehalten wird.

Besondere Präsenz hat natürlich der wuchtige Malakow-Turm mit seinen bis zu drei Meter dicken Ziegelmauern. Ursprünglich standen hier zwei solcher Riesen. Schaut man den verbliebenen großen, roten Turm an, erinnert er doch stark an eine Festungsanlagen. Verteidigungszwecken hat er aber nie gedient. Vielmehr waren die massiven Mauern nötig, um die schweren Seilscheiben und die enorme Zugkraft der Fördermaschinen zu halten, die Bergleute sicher in die schwarze Tiefe und auch wieder ans Tageslicht zu transportieren. Immerhin erreichte der Schacht 1 bereits 1870 eine Teufe von 162 m, die es zu überbrücken galt.

Ausstellungsort: Kunstmuseum Bochum

Über die Erzbahntrasse führt der Weg nun in Richtung Bochumer Innenstadt und auf dem direkten Wege durch die Stadt hindurch. Am Rande des Stadtparks liegt das Kunstmuseum Bochum.

Auf zwei Hauptetagen inszeniert Andreas Golinski (*1979) seine Ausstellung. Die Welt unter der Erde provoziert Ängste vor dem Unheimlichen, dem Unbekannten des Erdinneren, aber auch fantastische Visionen, wissenschaftlichen Forscherdrang und utopische Ideen. Ausgehend vom Ruhrgebiet erforscht Andreas Golinski in Archiven Geschichte und Geschichten aus dem Bergbau und sammelt Bildvorstellungen der unsichtbaren Welt unter der Erde aus der Kunstgeschichte und der Gegenwartskunst. Historische Kunstwerke wie die Serie der „Carceri“ (der Kerker) von Giovanni Battista Piranesi stellt er zusammen mit Arbeiten von Künstlern wie Walter Pichler, Alexander Brodsky, Kasimir Malewitsch, Francesco Lo Savio oder Pierre Soulages in einen assoziativen Dialog mit eigenen künstlerischen Setzungen: Multimediale Rauminstallationen, Bilder und Skulpturen formen den Museumsraum zu einem Erlebnisort mentaler Archäologie.

Vielleicht haben Sie auf der Fahrt zum Kunstmuseum Bochum bereits aus dem Augenwinkel den Förderturm vom Bergbau Museum entdeckt?

Ausstellungsansicht Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung, Kunstmuseum Bochum, Foto: Achim Kukulies © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Ausstellungsansicht Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung, Kunstmuseum Bochum, Foto: Achim Kukulies © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Zwischenstopp: Deutsches Bergbau-Museum

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Foto: Presseamt der Stadt Bochum

 Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Foto: Presseamt der Stadt Bochum

Wie ein Relikt aus vergangenen Tagen ragt das große grüne Fördergerüst über dem Gebäude des Deutschen Bergbau Museums empor.

Heute ist es ein Wahrzeichen der Stadt Bochum, doch wussten Sie, dass der Riese gar kein gebürtiger Bochumer ist? Ursprünglich ist er Dortmunder! Dort war er bis 1971 über dem Zentralschacht der Schachtanlage Germania in Dortmund-Marten in Betrieb. Für den Transport musste der 650 Tonnen schwere Riese in Einzelteile zerlegt und anschließend über Wochen wieder zusammengesetzt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Aber auch wenn an dieser Stelle nie eine Zeche stand, können Sie heute mit dem Fahrstuhl in das Anschauungsbergwerk einfahren und einen Eindruck von der Arbeit unter Tage bekommen.

Zwischenstopp: Tippelsberg

Nun geht es, vorbei am Grummer Bach, direkt zum Tippelsberg.

Vom Tippelsberg aus haben Sie einen wunderschönen Rundumblick in das grüne Revier. Bei gutem Wetter können Sie sich von hier oben bequem einen Überblick über Ihre heutige Tour verschaffen: Schauen Sie in Richtung Bochum City; dort fällt schnell das grüne Fördergerüst des Deutschen Bergbau Museums ins Auge. Da kommen Sie gerade her! Wandern Sie aber auf die andere Seite des Platos, leitet die Stehle „Revierblick“ das Auge Richtung Herne, an den Ort, an dem Sie gestartet sind und zu dem es auch gleich wieder zurückgeht.

Der Blick in die weite Landschaft verrät bis heute die Geschichte des Ruhrgebietes. Obwohl heute eher grün statt schwarz,  vom Kohlestaub ist die Landschaft immer noch industriell geprägt. In Richtung Herne fällt nicht nur die Erhebung der Halde Hohenward ins Auge, sondern auch die starke Dampfentwicklung über dem Steinkohlekraftwerk der STEAG, wo heute immer noch Steinkohle als Brennstoff für die Energiegewinnung benötigt wird.

© Thorsten Gumball, www.tippelsberg.de

 © Thorsten Gumball, www.tippelsberg.de

Ein ganz handfester Hinweis: Bitte beachten Sie, dass sich auf dem Areal keine Toiletten und auch keine Trinkhalle o.ä. befinden. Wer oben picknicken möchte, muss also zuvor, zum Beispiel an der Herner Straße, für Verpflegung sorgen.

Sollte Sie jetzt allerdings die Energie verlassen haben, können Sie zu den nächsten Zielen übrigens auch die U-Bahnlinie 35 nehmen. Steigen Sie in der nahe gelegenen Haltestelle „Zeche Constantin“ ein. Die Bahn bringt sie dann in wenigen Minuten zu den Flottmann-Hallen Herne (Haltestelle „Berninghausstraße“), zum Bahnhof Herne oder zum Schloss Strünkede.

Der Aushub der U-Bahnlinie 35, die heute die Ruhr-Universität Bochum und Herne miteinander verbindet, hat übrigens dazu beigetragen, dass die ursprünglich natürliche Erhebung des Tippelsberg heute noch viel höher ist… oder war es vielleicht doch der Riese Tippulus?

Ausstellungsort: Flottmann-Hallen Herne

Ausstellungsansicht David Nash. Holz und Kohle, Flottmann-Hallen Herne, Foto: Roland Baege © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 Ausstellungsansicht David Nash. Holz und Kohle, Flottmann-Hallen Herne, Foto: Roland Baege © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Entlang der Flottmannstraße führt der Weg nun in Richtung Herne zum Flottmannpark und den -Hallen.

Mit dem englischen Künstler David Nash setzen die Flottmann-Hallen ein deutliches Zeichen im Jahr des Abschieds von der Steinkohle. David Nash, der zu den bekanntesten Bildhauern und Land Art-Künstlern gehört, tritt in seinen Arbeiten stets in den Dialog zwischen Künstler und Natur. Ins Zentrum seines Schaffens stellt er die Idee des lebenden Baumes und verwandelt die Sinnlichkeit der Natur zur Skulptur. Sein bevorzugtes Material ist dabei Holz, aus dem bisweilen auch Vorlagen für Bronze- und Eisengüsse geschaffen werden.

In den Flottmann-Hallen zeigt David Nash eine Reihe seiner verkohlten Skulpturen, unter anderem auch eine Arbeit aus Grubenholz, sowie eine Anzahl von großformatigen Kohlezeichnungen, die von seiner stetigen Auseinandersetzung mit der Form zeugen.

Zwischenstopp Bahnhof Herne

Über das Archäologie-Museum und die Kreuzkirche geht es nun zum Bahnhof Herne.

Das Revier ist durchzogen von Transportwegen über und unter Tage. Die Eisenbahn ist dabei von Anfang an ein wichtiger Bestandteil gewesen. Sie war der Motor der Industrialisierung. Der Bahnhof Herne wurde schon 1847 eröffnet – also gerade einmal ein Jahrzehnt nach der allerersten Bahnstrecke in Deutschland. Damals hieß er noch Herne-Bochum. Heute kaum vorstellbar: die Stadt Bochum musste noch 14 Jahre auf einen eignen Bahnanschluss warten. Im Umfeld des Bahnhofs lagen viele Zechen, wie zum Beispiel Shamrock, Mont Cenis, Friedrich der Große und Von der Heydt. Schnell nach der Gründung wurden sie an das Schienennetz über den Bahnhof Herne angeschlossen, um die Kohle umschlagen zu können.

Das Gebäude, vor dem Sie heute stehen, stammt allerdings aus dem Jahr 1914. Ein Gang zum östlichen Eingang und ein Blick nach oben zu den Fenstern lohnt sich: 1953 wurde hier das Glasfenster vom Herner Künstler Jupp Gesing eingebaut. Es zeigt Motive von der ehemaligen Zeche Friedrich der Große. Gut zu erkennen sind etwa ein Hafenkran, eine Kanalbrücke, Kühltürme, Berghalden und Zechensiedlungshäuser. Motive, die Ihnen nach der heutigen Radtour alle sehr vertraut sein dürften.

Wer möchte, kann die Radtour hier beenden und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren (Kreuzkirche U35 Richtung Bochum Hbf oder Herne Bahnhof).

Wer an den Ausgangspunkt zum Schloss Strünkede möchte, fährt über die Bahnhofsstraße zurück.