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Ernst Hermanns

Zwei gegeneinander verschobene Halbkugeln

Bottrop

Carsten Gliese, Köln

Ernst Hermanns hat nach dem Zweiten Weltkrieg einen Neuanfang gesucht. Er gründete zusammen mit Emil Schumacher, Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen in Recklinghausen die Gruppe junger westen – die erste avantgardistische Künstlergruppe nach dem Krieg in Deutschland.
In den 1950er-Jahren leistete Hermanns einen wesentlichen Beitrag zur Skulptur des Informel, bevor er sich ab Anfang der 1960er-Jahre einer abstrakt-geometrischen Formensprache zuwandte. Er zählte zu den Künstlern, die ihr Denken den Themen Raum, Zeit und Bewegung widmen. Hermanns ging es darum, diese Begriffe sinnlich konkret, aber nicht illusionistisch umzusetzen. Er sprach von »räumlichen Konstellationen«. Anfangs operierte er mit Stäben, Scheiben und Ringen – einfachen abstrakten Setzungen. Eine der wichtigsten Plastiken dieses rigorosen Denkens ist die Bottroper Arbeit aus Chrom-Nickel-Stahl im Skulpturenpark des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop. Die Oberflächen sind glatt und spiegelnd. Sie dominieren die Farbe des Rasens, woraus die Skulptur gleichsam emporsteigt. Der Künstler arbeitete in der Tradition der frühen konkreten Kunst. Theo van Doesburg forderte 1930 im Manifest der Gruppe Art Concret: »Das Kunstwerk muß vor seiner Ausführung vollständig im Geist entworfen und ausgestaltet worden sein.«1 Er verneint jeglichen Bezug zur Natur. Und Max Bill fordert im Vorwort eines Kataloges von 1949, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu schaffen: »konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz. Sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen leben.« Hermanns verinnerlichte diese Ideen. Die zwei Halbkugeln sind sinnfällig gemachte Geometrie jenseits von Wirklichkeit. Der Kreis ist die reine Form. Hermanns trennte sie und setzte sie wieder zusammen, sodass ihre Verhältnisse der Maße und ihre Volumina besonders deutlich in Erscheinung treten. Thema ist die Interaktion der beiden Halbkugeln als räumliche Gebilde, ihre Bewegung – die Gleichzeitigkeit von Statik und Dynamik. Das Werk bezieht sich auf Josef Albers, dem das Museum in Bottrop gewidmet ist. Albers diskutierte viele der räumlichen Probleme, die Hermanns in seinem Werk beschäftigten, vor allem in Hinblick auf die Farbe und die Form des Quadrates. Bei Hermanns ist es die Wechselwirkung von Form und Volumen.

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