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Wang Huangsheng

Breathe IN/OUT

Osthaus Museum Hagen, Hagen

© Studio Wang Huangsheng

Wang Huangsheng ist einer der bedeutendsten Künstler in der chinesischen zeitgenössischen Kunstszene. Er wurde 1956 in Shantou, Provinz Guangdong, geboren, lebt und arbeitet in Peking. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist er auch als Kurator und Kritiker tätig und unterrichtet an Akademien und Universitäten. Von 2000 bis 2009 war er Direktor des Guangdong Museum of Art, von 2009 bis 2017 leitete er das CAFA Art Museum. Er gründete und organisierte auch die Guangzhou-Triennale, die Guangzhou Photo-Biennale, die CAFAM-Biennale sowie die Beijing Photo Biennale.

In seinen Werken, von den frühen Tuschearbeiten bis hin zu den Installationen, bevorzugt Wang Huangsheng unterschiedliche Techniken und Bildsprachen, die einem gemeinsamem Code verpflichtet sind. Für ihn ist die Malerei der Linie, die Kalligraphie, die Basis für die chinesische Kunst und ebenfalls für seine Malerei. Hierbei spielt das Verhältnis zu Raum, zur Räumlichkeit in Bildern eine tragende Rolle. Ab 2011 – mit Beginn der „Moving Vision Series“ – entwickelte Wang Huangsheng eine Bildwelt, die ein neues Sehen für sein Werk notwendig machte. In seinen bildnerischen Arbeiten bevorzugte er jetzt Linien, die keinem Abbild mehr verpflichtet sind, sie repräsentieren nur noch sich selbst. Diese Freiheit der Linie wurde auch in den nächsten Jahren weitergeführt; allerdings kamen zu den schwarz-weißen Formen farbliche Akzentuierungen hinzu, Verdichtungen der Tusche, die bisweilen zu einer Art Wolkenstruktur führten. Das Schweben und freie Spiel mit der Linie sind zentrale Themen dieser Serie.

Von gänzlich anderem Charakter sind die 2012 entstandenen Werke der Serie „Lines Visions“ mit freiem Spiel der Linien – jedoch auf realitätsbezogenem Medium: der Zeitung. Die Texte dieser gedruckten Blätter aus China sind durch die Überlagerungen von verschiedenen Farbschichten (rot, blau, gelb, grün) kaum nachzuvollziehen. Bestenfalls ist eine Headline entschlüsselbar.

Ab 2014 entstehen dreidimensionale Werke, die von einer optischen Lautstärke geprägt sind, zu der bisweilen Lärmelemente hinzukommen. Allein die Beschäftigung mit Stacheldraht, hier Nato-Draht, lässt zunächst erstaunen. Zur Symbolik dieses Materials bedarf es keiner großen Erklärung, da die Menschheitsgeschichte unendliche Beispiele von Gewalt mit Stacheldraht aufweist. Wang Huangshengs Interesse, Nato-Draht in seinen Werken einzusetzen, ist mit Bezug auf sein Werk ikonographisch nachvollziehbar. Die Malerei der Linien hat Wang Huangsheng zur Vollkommenheit gebracht, eine Übersetzung der Linie in die Dreidimensionalität mag mit feinem Draht oder mit der Teufelsschnur (devil´s rope, wie die indigenen Völker Nordamerikas den Stacheldraht nannten) realisiert werden. Das Erzählen von Geschichte, von Gewalt und Leiden, wird sicherlich eindringlicher, wenn diese Teufelsschnur Eingang in die ästhetische Welt erhält.

Die Universalität der Sprache Wang Huangsheng versteht sich als gemeinsamer Nenner seiner Werke. Die Tuschearbeiten der letzten Jahre bevorzugen eine härtere Bildsprache. Mauer formende Schichtungen von Balken werden ebenso in Szene gesetzt wie frei sich im Bildraum bewegende Striche oder Quadrate.

2019 realisierte Wang Huangsheng den Film „Breathe In/Out“. Eine Szene in einem Atelierloft, Sauerstoffflaschen im Mittelpunkt, großformatige Bilder im Hintergrund, Atemgeräusche aus dem Off. Der Künstler betritt in künstlichem Nebel den Raum mit Schlagzeugstöcken in den Händen. Er bewegt sich um die Sauerstoffflaschen, schlägt kunstvoll gegen sie. Eine einpeitschende Musik beginnt ab der Hälfte des Films, die den Künstler zum Tänzer werden lässt. Dieser Ausdruckstanz hat etwas beschwörendes; der Künstler ist für eine kurze Zeit in einer Art Trance. Die Gefahr eines Abgleitens wird gebannt durch die Zurücknahme der Musik und das wiedereinsetzende Atmen, die Rhythmik wird zurückgenommen. Am Ende wird die eingangs sichtbare Sauerstoffflasche wieder in den Mittelpunkt gerückt, ein letzter gongartiger Schlag – Ende.

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