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The Power of Wonder / Die Kraft des Staunens

Der Neue Materialismus in der Kunst der Gegenwart

Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst featuring the Museum unter Tage, Bochum

Eine Ausstellung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum im Museum unter Tage in Bochum

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat auf der Seite der bildenden Kunst genauso wie in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen eine Neubewertung von Materialität eingesetzt. Lange Zeit wurde Materie nur als ein passives, lebloses Objekt betrachtet, das seine Bedeutung bestenfalls von der prägenden kulturellen Kraft des Menschen erhalten kann. Das neue Verständnis von Materie rückt dagegen ihre aktive, widerspenstige und eigenständige Rolle bei der fortwährenden Veränderung unserer Umwelt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Ethnologe Hans Peter Hahn spricht hier „vom Eigensinn der Dinge“, die belgische Philosophin Isabelle Stengers sogar von der „Power of Wonder“. Damit meint sie die Kraft des Staunens und der Überraschung angesichts einer materiellen Welt, die sich nicht immer mit Worten fassen lässt.

Die Ausstellung The Power of Wonder / Die Kraft des Staunens nimmt daher jene Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke in den Blick, in denen die Materie eine eigenständige, das Werk und seine Umwelt prägende Rolle spielt. Manchmal geht es dabei um ein gesteigertes Bewusstsein für die verändernde Kraft der Dinge, an anderer Stelle um ihre prägende Funktion in komplexen Netzwerken und in einigen Fällen auch um die aktive Handlungsmacht von Materie.

Das Staunen verändert unseren Blick auf die Dinge. Der Staunende stellt sich nicht mehr an die Spitze einer Pyramide des ordnenden Wissens und der Beherrschung seiner Umwelt. Er betrachtet die Erde zum Beispiel vom Standpunkt eines Meteoriten, wie das Carolyn Christov-Bakargiev für die documenta 13 vorgeschlagen hat. Oder er schaut umgekehrt mit dem Künstler Markus Karstieß With the Eyes of the Earth / Mit den Augen der Erde auf seine Umwelt. In der Kraft des Staunens verbinden sich Kunst, Magie und Wissenschaft zu einem einzigartigen Gefüge, das in der Ausstellung The Power of Wonder für ein großes Publikum sichtbar wird.

Die Ausstellung The Power of Wonder / Die Kraft des Staunens zeigt erstmals anhand von sechs herausragenden künstlerischen Positionen die Bedeutung des Neuen Materialismus für die Kunst der Gegenwart auf. Die Künstler*innen nutzen dabei Jahrmillionen alte Materie wie die Gesteine aus dem umliegenden Tagebau genauso wie klassische, anorganische Werkstoffe wie die Keramik oder neueste Materialien wie digitale Produkte, die in hochtechnologischen Verfahren zu bisher unbekannten hybriden Gegenständen transformiert werden. Damit verleihen sie der Kunst in den aktuellen Diskussionen um die Stellung des Menschen gegenüber seiner Umwelt, um Nachhaltigkeit, Teilhabe und Gerechtigkeit eine eigenständige, kraftvolle Stimme.

Kurator:
Prof. Dr. Markus Heinzelmann, Lehrstuhl für Museale Praxis mit dem Schwerpunkt internationale Gegenwartskunst, Kunstgeschichtliches Institut, Ruhr-Universität Bochum

Künstler*innen:
Ilana Halperin (* 1973 in New York, USA), lebt in Glasgow
Agata Ingarden (* 1994 in Krakau, Polen), lebt in Paris
David Jablonowski (* 1982 in Bochum, Deutschland), lebt in Amsterdam
Markus Karstieß (* 1971 in Haan, Deutschland), lebt in Düsseldorf
Robert Smithson (* 1938 in Passaic, New Jersey; † 1973 in Texas)
SUPERFLEX (gegründet 1993 von Rasmus Nielsen * 1969, Jakob Fenger * 1968 und Bjørnstjerne Christiansen * 1969), leben in Kopenhagen

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