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Manfred Vollmer – ausgelöst

Fotografien von 1968 bis heute

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Oberhausen

Im Maschinenhaus Süd der 1993 stillgelegten Zeche Consolidation in Gelsenkirchen, 26.08.2004 © Manfred Vollmer

„Mein Revier ist das Revier“ lautet für Jahrzehnte das Motto des in Essen lebenden Fotografen Manfred Vollmer. Und doch geht sein Interesse und seine fotografische Arbeit sehr viel weiter. Bereits das erste große Projekt, seine Abschlussarbeit an der Folkwangschule in Essen zum Thema „Kirchenfeste in Italien", führt ihn Ende der 1960er Jahre immer wieder vor allem nach Süditalien.

Seit 1970, nach dem Examen an der Folkwangschule mit Folkwangpreis, arbeitet er als freier Fotograf vor allem für Wochen- und Tageszeitungen, für Verlage und Gewerkschaften, besonders für die IG Metall. Er baut sich systematisch ein Archiv mit einem großen Themenspektrum auf.

Seine Arbeit ist – und dies sieht man bis heute – so überzeugend, dass er dafür ausgezeichnet wird. 1978 reist er in die Bretagne, um als Bildreporter über die Ölpest zu berichten, die die Havarie des amerikanischen Tankers Amoco Cadiz verursacht hat. Dafür erhält er den ersten Preis beim World Press Photowettbewerb in der Kategorie „News Picture Stories“.
Doch sind seine Fotografien aus dem Ruhrgebiet, seine teilnehmenden Reportagen über die Arbeitskämpfe in den 1980er Jahren, seine Begleitung von Arbeitern und Arbeiterinnen in den verschiedenen Branchen oder die Anteilnahme an den Lebensbe-dingungen der damals so genannten ‚Gastarbeiter‘ das wohl prägendste Element seines Werkes. Vollmer hat von Anfang an die besonderen Bedingungen für die Menschen in der Arbeitswelt beobachtet und sie respektvoll in ihren Tätigkeiten gezeigt. Bei den Arbeitskämpfen stellt er sich auf die Seite der Arbeiter und berichtet in der Art der sozialdokumentarischen Fotografie über die Auseinandersetzungen. Mit großer Sensibilität hält er die oft bewegenden Momente fest und lässt auch dem weinenden Arbeiter seinen Stolz und seine Würde.

In den 1970er Jahren reist Vollmer wiederholt in die DDR, wo er als Besucher, ohne Akkreditierung, Alltagsszenen, Städtebilder etc. fotografiert. Die Fotoserie über die Wiedervereinigungsfeier in Berlin Anfang Oktober 1990 ist ihm ein großes Anliegen. In den 1990er Jahren arbeitet er für die IBA Emscher Park und begleitet zahlreiche der Strukturwandelprojekte.
Im Jahr 2002 kommt es zu einem tiefen Einschnitt – quasi zu einem persönlichen Strukturwandel – in seiner Arbeit: Manfred Vollmer stellt konsequent auf Digitalfotografie um. Er entwickelt seinen fotografischen Blick weiter, er wird künstlerischer und weniger dokumentarisch. Das analoge Archiv ist seit 2006 im Besitz des Ruhr Museums Essen.
Als das Ruhrgebiet als RUHR.2010 die Auszeichnung zur Kulturhauptstadt erhält, trägt Vollmer mit seinen zum Teil monumentalen Bildern zu einem neuen Image des Ruhrgebietes bei und schafft Ikonen, die bis heute für den Struktur- und Kulturwandel der Region stehen. Die großen Aktionen sind in seinen Bildern bis heute lebendig, so das Still-Leben Ruhrschnellweg mit der Sperrung der A 40, die Schachtzeichen mit ihren gelben Ballons oder der Day of Song mit den tausenden und abertausenden singenden Menschen. Seine Aufnahme des von dem Feuerwerk der Auftaktveranstaltung erleuchteten Fördergerüsts auf Zollverein hat schon fast Kultcharakter.
Die LUDWIGGALERIE widmet diesem wichtigen Bildfinder unter dem Titel ausgelöst nun mit knapp 80 programmatischen Aufnahmen eine überblickende Werkschau. Es entsteht ein Katalog, der erstmals in einer monografischen Publikation Vollmers fotografisches Werk ausführlich vorstellt.

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