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The cast whale project

Gil Shachar

Kunstmuseum Bochum, Bochum

(c) Gil Shachar

Nach jahrelangen Vorarbeiten und der Überwindung vielfältiger Schwierigkeiten zeigt der israelische Bildhauer Gil Shachar, der seit 1996 in Deutschland lebt und arbeitet, sein bislang ambitioniertestes Ausstellungsprojekt erstmals der Öffentlichkeit: Die lebensgroße Abformung eines Wals, der gestrandet war und auf natürliche Weise ums Leben gekommen ist. Gil Shachar – bekannt für seine hyperreal anmutenden Abformungen von menschlichen Köpfen oder Körperfragmenten – erhielt die Idee zu diesem Projekt in einem Traum. Seitdem verfolgt er dessen Realisierung: Die körperliche Totalität dieses größten auf der Erde lebenden Säugetiers in eine künstlerische Form zu überführen. Im Jahre 2018 gelang ihm dies mit der Abformung eines in Lambert’s Bay, Südafrika gestrandeten, vierzehn Meter langen Buckelwals. Direkt am Strand nahm er zusammen mit einem Team von südafrikanischen Künstler*innen und Präparator*innen einen ersten Abguss, der später in einer südafrikanischen Werkstatt in Epoxydharz gegossen und schwarz gefärbt wurde. Im Hochsee-Container kam das so entstandene Kunstwerk nach Deutschland.

Die Begegnung mit einem gestrandeten Wal bringt für Gil Shachar eine Parallelwelt; eine Welt, die seit frühester Kindheit in das (Un-)Bewusstsein eingeprägt ist – zur sinnlichen Anschauung. Wale tauchen in Kindergeschichten, in der Mythologie, in den großen religiösen Traditionen, in Märchen, Fabeln, Gedichten und Literatur auf. In all diesen Quellen repräsentieren sie ausnahmslos eine enorme Kraft, ein Wunder der Natur mit einer hohen Intelligenz – aber eine, die sich auch (wie in Melvilles Moby Dick) in ein Monster verwandeln kann. Das Aufeinandertreffen mit der massiven Wal-Skulptur ist stark emotional: Der niemals ganz zu erfassende Körper, seine Leiblichkeit und Verletzbarkeit und seine schiere Monumentalität lösen ein Gefühl von Berührtsein, aber auch von Erhabenheit aus. Der Wal stellt nicht nur ein Paradies unserer Kindheit dar, sondern verkörpert auch den Idealzustand einer vergangenen Welt, in welchem die systematische Zerstörung der Natur durch den Menschen noch nicht vorstellbar war. Die Begegnung mit einem Wal ruft Gefühle der Melancholie und Trauer hervor. Denn wir wissen, dass dies eine Welt ist, die aufgrund der Aktivitäten der Menschheit bald verschwinden könnte. Gil Shachar gelingt es, eine Balance herzustellen zwischen der eindrücklichen körperlichen Präsenz, den mythologisch aufgeladenen Assoziationen und der ästhetischen Autonomie, Abstraktion sowie Enthobenheit seiner gewaltigen skulpturalen Arbeit.

In der Ausstellung „THE CAST WHALE PROJECT“ wird die Wal-Skulptur begleitet von Modellen für das Crowdfunding und einer Videodokumentation des gesamten Abformprozesses. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Stephan Berg und Gideon Ofrat.

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