Kunst & Kohle. Alicja Kwade mit Dirk Bell, Gregor Hildebrandt und Rinus van de Velde

Kunstmuseum Gelsenkirchen
5. Mai bis 16. September 2018
Alicja Kwade, Kohle (Union 666), 2008, Blattgold auf Kohle

 Alicja Kwade, Kohle (Union 666), 2008, Blattgold auf Kohle

Alicja Kwade widmet sich in ihrer als Ausstellung arrangierten Gesamtinstallation dem Themenkomplex Kunst und Kohle in einem mehrfachen Sinn: Die doppelte Bedeutung des Wortes Kohle aufnehmend stellt Kwade ihre Arbeiten ins Zentrum einer Diskussion um Mensch und Gesellschaft. Kritisch reflektiert sie dabei die komplexen Zusammenhänge von Kohle als Arbeitskraftfaktor, als Energiequelle, und als Metapher für und Ausdruck von Kapital, Ökonomie und Warenwelt. 

Das Phänomen ökonomisch notwendiger Dauertransformation von Rohstoffen und Materialien für die Aufrechterhaltung der immer schneller ablaufenden Produktionsprozesse sowie ihre Verwertung in einem System der Wertermittlung finden hier ihren Ausdruck.

Die Werke Gregor Hildebrandts rekurrieren auf das Hintergrundrauschen der Industriegesellschaft, auf ihren popkulturellen Überbau. Seine Arbeiten aus Vinyl, dem schwarzen Gold der 1970er- bis 1990er-Jahre, und aus Kassentapes, die Musikkonsum tatsächlich erst demokratisch machten, verweisen auf Verwertungszusammenhänge, die heute beinahe schon in Vergessenheit zu geraten scheinen.  

Dirk Bells Arbeiten versuchen – als Gegenpol – die intime Rückkehr zum Individuum ins Licht zu rücken. Der Betrachter sieht figurative Darstellungen des Menschen, dem eigentlich handelnden Subjekt in der hier erzählten Geschichte von Konsum und Kapital, verwaschen dargestellt in Grafit und Kohle – dem Stoff aus dem letztlich der ganze Homo Sapiens besteht. 

Rinus van de Veldes Kohlezeichnungen wirken wie aus einer Welt, in der das soziale Gefüge durch entropisches Chaos ökonomischer Verwertungsprozesse bereits weitestgehend zersetzt wurde: Ein Künstler hat sich in sein Atelier zurückgezogen, wo er in der Badewanne versinkt, während eine finstere Gestalt in den Mülltonnen hinterm Haus nach entsorgten, aber finanziell noch verwertbaren Kunstwerken sucht. Kontrastiert wird dieses düstere Szenario indes durch die präzise und technisch ausgefeilte Zeichentechnik van de Veldes.

 

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