Foto: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Stadt
Bochum
Ort
Hauptbahnhof
Künstler
Richard Serra
Jahr
1977
Maße
Höhe 12,5 m
Material
Cortenstahl

Richard Serra

Terminal

Wer sich heute in der Nähe des Bochumer Hauptbahnhofs und des Park Inn Hotels bewegt, wird vielleicht ein Kunstwerk entdecken, das durch seine Oberfläche und sein derzeitiges Erscheinungsbild kaum einer angemessenen Präsentation im städtischen Raum entspricht. Vier trapezförmige rostige Stahlplatten scheinen wie lose aneinandergelehnt und deuten durch ihre teilweise geneigte Aufstellung einen unsicheren Stand an.

Die Stahlplatten wirken, als würden sie sich gegenseitig stützen. Heute sind sie im unteren Bereich mit Farbe und Graffitis versehen. Das Werk mit dem Titel Terminal lässt sich durch eine schmale Öffnung betreten. Im Inneren bietet sich ein überraschender Eindruck: Der Blick nach oben zeichnet einen perfekten, quadratischen Ausschnitt des Himmels, gebildet durch die vier senkrecht stehenden Platten. Die Skulptur, die heute im urbanen Umfeld durchaus übersehen werden kann, war zum Zeitpunkt ihrer Aufstellung nicht nur spektakulär, sondern führte Ende der 1970er-Jahre zur heftigsten Auseinandersetzung über Kunst im öffentlichen Raum. Die Forderung, sie zu entfernen, wurde zum Wahlkampfthema der damaligen Landtagswahl. Der amerikanische Künstler Richard Serra schuf das Werk 1977 für den heutigen Standort, präsentierte es jedoch zunächst auf der documenta 6 in Kassel. Als es anschließend von der Stadt Bochum gekauft und 1979 am jetzigen Ort errichtet wurde, entstand der öffentliche Protest, den Serras Werke in den 1970er- und 1980er-Jahren häufiger hervorriefen: Die Präsentation an Orten mit hoher Verkehrsdichte führte zu einer direkten Konfrontation und entsprechenden Reaktionen. In Bochum spitzte sich die Diskussion zu, da seinerzeit eine Straßenbahnstrecke in etwa einem halben Meter Entfernung an der Plastik vorbeiführte. Das Material Cortenstahl, dessen Oberfläche eine Rostschicht entstehen lässt, die das darunterliegende Material schützt und wetterbeständig macht, wirkt im Vergleich zu traditionellen bildhauerischen Materialien wie Bronze oder Marmor nicht repräsentativ. Jedoch ist dieser Stahl eine für das Ruhrgebiet typische Erscheinungsform des Metalls, das auch heute noch in der dort ansässigen stahlverarbeitenden Industrie hergestellt wird. Mit ihrer Positionierung in der Mitte der Stadt und der Region kann die Skulptur durch die Verwendung des Materials als ein Denkmal der Stahlerzeugung und der Industrialisierung gelesen werden. Sowohl der Werkstoff als auch die Aufstellung der Skulptur sind für Serra typisch. Die Anordnung der vier Platten führt zu einer Wechselwirkung in vielfacher Hinsicht: Das Werk ist fast 100 Tonnen schwer und über zwölf Meter hoch: Dem Eindruck der Schwere des Metalls steht der schwerelose Zustand der sich gegenseitig stützenden monumentalen Platten gegenüber. Beim Umschreiten der Skulptur wirkt in den schrägen und überlappenden Kanten das Dynamische des bewegten Verkehrs um sie herum fort. Mit dem Betreten des Inneren ändert sich die Erscheinung radikal: Wir befinden uns in einem statischen, rechtwinkligen Raum mit quadratischem Grundriss. Dieser Wechsel von Statik und Dynamik, von Gewicht und Schwerelosigkeit wird durch die eigene körperliche Bewegung erlebbar.