Foto: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Stadt
Bochum
Ort
Haus Weitmar
Künstler
David Rabinowitch
Jahr
1979/80
Maße
15 x 620 x 460 cm
Material
Stahl fünfteilig

David Rabinowitch

Metrical Construction in 5 Masses and 2 Scales VIII

Im Parkgelände von Haus Weitmar befindet sich die Skulptur Metrical (Romanesque) Construction in 5 Masses and 2 Scales VIII von David Rabinowitch. Wie weitere Skulpturen in ihrer Nachbarschaft hat auch sie den herrschaftlichen und auratischen Sockel verlassen. Als horizontale Arbeiten definieren sie einen anderen Skulpturenbegriff. Auf der documenta 6 von 1977 wurde diese Bewegung der horizontalen Plastik zum ersten Mal von Manfred Schneckenburger untersucht.

Der Betrachter muss umdenken. Er kann die Skulptur nur im Umlaufen erfahren. 1974 formulierte Rabinowitch theoretische Überlegungen zu seinen hermetischen Werken: In der Ansicht der Ebene herrsche eine große Unbestimmtheit. Diese verspürt der Parkbesucher, wenn er die Skulptur Metrical (Romanesque) Construction in 5 Masses and 2 Scales VIII sieht und eventuell betritt. Die Arbeit ist Teil einer größeren Serie. Der Künstler untersucht die Grundbedingungen von Skulptur, einer Skulptur, die frei sein muss von figuralen Formen oder der Bindung an eine Architektur. Deshalb ist der Park der richtige Ort dafür. Vor allem die Wege und eine sich im Jahreslauf stets ändernde Flora bestimmen neben den wechselnden Lichtverhältnissen die Wahrnehmung. Im Prinzip ruht die Bodenskulptur nur in sich selbst. Sie ist abstrakt und erinnert an die Einfachheit romanischer Architekturen, an deren Geschichtlichkeit und fragile Erhaltungszustände. Die Formen, die sich nicht wiederholen, aber eine durchgängige, gleiche Oberfläche haben, weisen unterschiedliche Muster aus großen Bohrlöchern auf. Die Formen stehen in einem Verhältnis zueinander, das nicht unmittelbar ablesbar ist. Sie sind Setzungen des Künstlers. »Die Konstruktion und ihre Ansichten beziehen sich nur zufällig auf die Zahl der potenziellen Erscheinungen«, so Rabinowitch. In der Serie können die Platten auch direkt aneinandergelegt sein. Zwei Elemente haben eine Richtungsangabe durch das zeigende Dreieck. Die Formen können einzeln oder zusammengesetzt wirken. Der rötliche Walzstahl auf dem bläulichen Grund zeigt einen Ansatz äußerst reduzierter Farbigkeit. Rabinowitch unterscheidet verschiedene Arten von Erscheinungsbeziehungen oder – wie er sie nennt – »logischen Beziehungen«. Diese können als Volumina der vielteiligen Skulptur voneinander getrennt sein. Die Relationen der Massen wirken entgegengesetzt. Die Installation ist aus einem theoretischen Denken abgeleitet: Sie ist eine Denkskulptur für die Arbeit des Sehens, die sich der Bildfähigkeit entzieht und vielleicht auch der Sprache. Ursula Bode spricht von »Chiffren, Kürzeln für Gefühle beim Konstruieren klarerer Formen«1. Die Arbeit könnte ein Stahl gewordener japanischer Haiku sein, ein Dreizeiler, der über denselben Gegenstand spricht, ohne die Gedanken in einer logischen Wortkette zu entwickeln. Die Aussage erklärt sich aus den Verhältnissen.


1
Bode, Ursula: »Die Arbeit des Sehens. Ausstellungen in Bielefeld und Düsseldorf: David Rabinowitsch« in: Die Zeit, 11.3.1988.