Rosemarie Koczÿ · Vertrieben und zurückgekehrt

Kunsthalle Recklinghausen
27. August bis 19. November 2017
Rosemarie I. Koczy, Februar 2006, Tusche auf Papier, 35,7 x 27,3 cm

 Rosemarie I. Koczy, Februar 2006, Tusche auf Papier, 35,7 x 27,3 cm

Die Kunsthalle Recklinghausen zeigt mehr als 100 Werke der aus Recklinghausen stammenden Künstlerin Rosemarie Inge Koczÿ (1939-2007). Im Zentrum der Schau stehen Tuschzeichnungen aus dem Zyklus „Ich webe Euch ein Leichentuch“, mit dem die Künstlerin an die Opfer der Shoah erinnert; darüber hinaus Gemälde und Skulpturen, die allesamt nach ihrem Tode als großzügige Schenkung aus dem Vermächtnis der Künstlerin in die Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen kamen.

Geboren am 5. März 1939 in Recklinghausen, wird die aus einer jüdischen Familie stammende Rosemarie I. Koczÿ 1942 zunächst nach Traunstein, in ein Außenlager des KZs Dachau und später in das Konzentrationslager Ottenhausen-Saarbrücken (Natzweiler-Struthof) deportiert. Sie überlebt durch die Hilfe von Mitgefangenen, verbleibt aber trotz Kriegsende und Befreiung noch bis 1951 in einem Lager für Verschleppte (Displaced Persons Camp).

Noch einmal kehrt sie nach Recklinghausen zurück, als ihre Großeltern sie endlich ausfindig machen, wächst aber schließlich in einem katholischen Waisenhaus auf, da ihre durch Krieg und Verfolgung traumatisierte Mutter mit der Erziehung überfordert ist. 1959 geht sie in die Schweiz und bewirbt sich erfolgreich an der Kunstgewerbeschule Genf (École des Arts Décorafis de Genève).

Nach Ende ihres Studiums widmet sie sich vor allem der Tapisserie und es entstehen mehr als siebzig, teilweise großformatige Wandbehänge, zunächst klassisch flach gewebt, später materialhaft aufgeworfen und plastisch gestaltet. Auf einer Venedigreise lernt sie 1972 Peggy Guggenheim kennen, die einige Tapisserien erwirbt und sie mit ihrem späteren Mentor Thomas Messer, dem Direktor des Solomon R. Guggenheim Museums in New York, bekannt macht. Ende der 1970er Jahre rücken schließlich die Aufarbeitung ihrer Kindheitserlebnisse und der Holocaust ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens.

Bis zum ihrem Tod entstehen mehr als 12.000 Tuschzeichnungen, mit denen die Künstlerin an die Opfer der Shoa erinnert und die sie stets mit demselben Text versieht. „Die Zeichnungen, die ich jeden Tag mache, sind benannt ‚Ich webe Euch ein Leichentuch‘. Es ist eine Bestattung für all jene, die ich sterben sah in den Lagern 1942, 1943, 1944 und 1945 sowie im Lager für Verschleppte bis 1951.“ Mit ihren Werken zollt Rosemarie Koczÿ den Toten Respekt: „Das Leichentuch ist das Strichgewebe, das jede meiner Gestalten umgibt, um sie in Würde zu beerdigen.“ Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Komponisten Louis Pelosi lebt sie seit 1984 in Croton-on-Hudson nahe New York, wo beide regelmäßig zu Kunst- und Musikveranstaltungen einladen, vor allem aber junge Künstlerinnen und Künstler fördern.

Als Rosemarie Koczÿ im Dezember 2007 stirbt, hinterlässt sie ein ebenso umfangreiches wie eindringliches Œuvre, das überzeugend die Möglichkeiten der bildenden Kunst im „Angesicht der Shoah“ begreifen lässt.

 

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