Heinrich Siepmann. Gemälde - Impuls Junger Westen

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
28. Januar bis 15. April 2018
Heinrich Siepmann, Komposition IV, 1954, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

 Heinrich Siepmann, Komposition IV, 1954, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

Nach Gruppenausstellungen in Witten, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum  liegt der Fokus auf dem Werk eines einzelnen Malers, der mit Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, dem Bildhauer Ernst Hermanns, Emil Schumacher und Hans Werdehausen zu den Mitbegründern gehörte. Der 1904 in Mülheim an der Ruhr geborene und 2002 verstorbene Siepmann war der älteste Künstler und 1947, zum Zeitpunkt der Gründung, noch weitgehend unbekannt. Nach Studien an der Folkwang-Schule in Essen, Kopier-Aufträgen in den Museen in München und Kassel und einem 1938 begonnenen Studium an der Staatsschule für angewandte Kunst in Nürnberg unterbrach der Kriegsdienst seine künstlerische Entwicklung.

Nach 1945 widmete sich Siepmann zunächst dem Stillleben, das neben dem Fensterbild zeittypisch wurde für die Kunst der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Abstraktion erfolgte im Kreis der jungen Westler. So arbeitete die Gruppe, wie sich Hans Werdehausen rückblickend erinnerte, „wie eine Akademie auf freier Basis.“ Gemeinsam vollzogen die Künstler die Mittel und Wege der Abstraktion nach und diskutierten mit Theoretikern, Museumsleuten und Kritikern.

In den Übergängen von gegenständlichen zu abstrakten, von konstruktiven zu informellen Bildfindungen steht Siepmanns Werk beispielhaft für die westliche Variante der Nachkriegsmoderne. Galt es doch, nach dem Ende des Krieges und des NS-Systems Anschluss zu finden an die Errungenschaften der Moderne und an die Kunst der Gegenwart.

Anregungen boten die konstruktiven Formen aus der Welt von Industrie und Technik, um zu einem zeitgemäßen Bild der gegenwärtigen Wirklichkeit zu gelangen. Nach Industriebildern und geometrischen Konstruktionen, für die beispielhaft das Gemälde Eisen und Stahl von 1953 steht, suchte sich Siepmann aus dem Kanon festgelegter geometrischer Formen zu lösen. Unter dem Einfluss des Informel fand er zu freieren Gestaltungsformen, zu Strukturen, Rhythmen und Reihungen; auch die Farbe sowie das Spiel mit Licht und Schatten gewannen an Bedeutung. Das ständige Überprüfen und Reflektieren des Erreichten gehörte für ihn zum Arbeitsprozess dazu: „Wer das Malen immer wieder neu überdenkt, wird gesicherte Positionen überprüfen müssen. Impulse kommen in der Infragestellung des Erworbenen, im Wagnis und Experiment.“

Erst im hohen Alter, viele Jahre nach der Auflösung der Gruppe im Jahr 1962, fand der Künstler zu jenen reduzierten, ausbalancierten Konstruktionen, mit denen er sich der konkreten Kunst annäherte.

Mit Werken aus der Sammlung des Mülheimer Kunstmuseums, Leihgaben aus der Sammlung Ströher, Darmstadt, sowie dem Nachlass Siepmann konzentriert sich die Ausstellung auf Gemälde, die Siepmanns experimentelle Auseinandersetzung mit Möglichkeiten der Abstraktion erkennen lassen. Im hinteren Ausstellungsraum nehmen die subtil ausbalancierten, konstruktiv-konkreten Werke der 1980er- und 1990er-Jahre als Ausblick einen eigenen kleineren Bereich ein, ergänzt um Evelyn Serwotkes Fotografien des hoch betagten Künstlers in seinem Atelier.

 

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www.kunstmuseum-mh.de

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Ergänzende Tipps und Sehenswürdigkeiten für Ihren Aufenthalt in Mülheim an der Ruhr finden Sie auch unter
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